30 Tipps für Wien-Neulinge

Bald beginnt die Uni, tausende Erstsemestrige sind neu in der Stadt. Doch wohin in Wien, wenn die Bücher zugeklappt sind? Die Falter:Woche-Redaktion hätte da einige Vorschläge

Programmredaktion
FALTER:WOCHE, FALTER 38/22 vom 20.09.2022

Chelsea: Pionier der Gürtelbogenlokale (Foto: Chelsea)

Konzertlocations

1 Arena


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Vom Industriegelände zum Kulturort: Wiens schönstes Konzertareal ist das Ergebnis einer legendären Besetzung anno 1976. Auf vier Indoor-Bühnen unterschiedlicher Größe regiert draußen in Erdberg vornehmlich die härtere Gangart zwischen Punk, Alternative und Metal; Rap, Indiepop und Techno-Partys haben aber ebenso Platz. Outdoor gibt’s das leiwands-
te Open-Air-Gelände der Stadt.

https://arena.wien/

2 Chelsea

1995 an diesem Standort eröffnet, ist das Chelsea der Pionier unter den Gürtelbogenlokalen. Der britischen Pop- und Fußballkultur verpflichtet, hat es neben DJs auch regelmäßig anspruchsvolle Konzerte aus dem Alternative-Bereich im Angebot, lokal wie international. Hipster trifft man hier kaum, dafür Musikbegeisterte zwischen jung und jung geblieben. Am Wochenende: Partys mit Massenappeal.

chelsea.co.at

3 Fluc

Subkultur am Praterstern: Das Fluc und die größer dimensionierte Fluc Wanne im Untergeschoß bieten unterschiedlichsten Formen stacheliger Popmusik ein Zuhause – von Industrial-Techno über Experimental-Hip-Hop bis zu Dröhnrock und Trübsalbläser-Americana.

fluc.at

4 Konzerthaus

Der Jugendstilbau in Stadtparknähe bietet neben klassischen Konzerten auch Jazz, Pop, World, Elektro und Neue Musik. Hier treffen Symphoniker auf Schrammelmusik, Songwriter auf Jazzgrößen, Solisten auf Ensembles. Bleiben am Abend Karten übrig, gibt es sie für alle unter 26 um zwölf Euro.

konzerthaus.at

5 Porgy & Bess

Das Kellerlokal in der Innenstadt ist seit über 100 Jahren ein Ort der Kultur; mal war es Varieté, mal Theater, mal Pornokino. Seit 2000 residiert hier der beste Jazzclub Wiens. Täglich Konzerte, bisweilen Spezialprogramme wie das Songwriter-Festival Blue Bird im November und Experimentelles auf der kleinen Bühne („Strenge Kammer“). Wer digital vorbeischauen möchte: Seit der Pandemie werden alle Konzerte live und ohne Bezahlschranke gestreamt.

porgy.at

6 Reaktor

Früher war das klassizistische Gebäude in Hernals ein Heurigenlokal, heute werden hier Film, Kunst, Musiktheater, Neue Musik und Jazz geboten – alles mit experimentellem Touch und gerne auch grenzüberschreitend. Anfang Oktober findet im Reaktor das BERGfest statt.

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reaktor.art

7 Venster 99

Bevorzugte Anlaufstelle aller Krawallbrüder und Krachschwestern, deren Herz heftig links schlägt: Do-it-yourself-Gürtelbogen-Punkclub mit tollem kleinem Konzertraum und stilistisch undogmatischem, aber stets forderndem Programm. Und, klar: „If you are racist, sexist, homophobic, or an asshole, don’t come.“

venster99.at

8 Volksoper

Wer Lust auf neuerdings subversives Unterhaltungsmusiktheater hat, besucht das Haus am Währinger Gürtel. Oper, Operette, Musical und Ballett finden sich hier unter einem Dach vereint; zum Drüberstreuen gibt es Pop-ups, britische Comedy und Uraufführung. Menschen unter 30 zahlen nur zwölf Euro. Motto: „Alt werden kannst du später!“

volksoper.at

9 Wiener Staatsoper

Die Staatsoper ist Wiens größtes und prunkvollstes Musiktheaterhaus. Gute Karten kosten hier ein kleines Vermögen. Alle unter 27 können die besten Sänger:innen und Tänzer:innen der Welt allerdings um 20 Euro erleben; Generalproben sogar für zehn Euro.

wiener-staatsoper.at


Nachtleben

10 Café Europa

Es gibt sie noch, die Klassiker, die nie an Charme verlieren. Service langsam, Tische voll? Alles egal. Bis fünf Uhr Früh ist im Café Europa, dem Bollwerk der Zollergasse, immer was los. Wer den Grundkurs „Absacken in Kaffeehaus-Institutionen“ absolviert hat, kann das Fortgeschrittenentraining im Rüdigerhof im fünften Bezirk belegen (facebook.com/caferuedigerhof).

cafeeuropa.at

11 Grelle Forelle

Auf der Suche nach psychedelischer Grafik, Wodka-Mate und feingeschliffenen elektronischen Beats wird man seit 2011 in der Grellen Forelle an der Spittelauer Lände hochkarätig fündig. Wer es grungiger und billiger mag, geht ins Werk nebenan (daswerk.org).

grelleforelle.com

12 Ponyhof

Die einen sagen Club, die anderen Bar. Für Zweiteres ist es dann doch zu laut hier: Wenige Schritte vom Gürtel entfernt, hält der Stall den 15. Bezirk auf Trab und ist Experimentierraum für lokale DJs. Mehr Bar als Club, aber irgendwie auch dazwischen ist hingegen das Donau Techno, eine ehemalige Kapelle im siebenten Bezirk.

ponyhof-official.at

13 Schweden Espresso

Du suchst den Absturz mit waschechten Wienerinnen und Wienern? Bring Bargeld, steig beim Schwedenplatz aus, bahn dir den Weg durch die Partymeile Bermudadreieck und trink zur Belohnung einen Sexgeist im Schweden Espresso. Für fortgeschrittenere Verhipsterung empfiehlt sich das Café Kriemhild im 15. Bezirk.

falter.at/lokal/11703/schweden-espresso

14 Zukunftshof

Wie passen Utopie, Stadtlandwirtschaft, Kunst und durchzechte Hippie-Partys zusammen? Wenn es nach dem Zukunftshof geht: sehr gut. Der Hascha-Hof weit draußen im zehnten Bezirk lief Gefahr, abgerissen zu werden. Kollektive fanden sich, die dort nun Wohnprojekte planen und gute Träumerpartys organisieren.

zukunftshof.at


Theater

15 Akademietheater

Egal, wer das Burgtheater gerade leitet: Die spannendsten Aufführungen gibt es in der kleineren Spielstätte an der Grenze von erstem und drittem Bezirk. Die feiert heuer auch noch ihren 100. Geburtstag, also nichts wie hin! Aktuelles Muss: „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler in der Regie von Barbara Frey. Auf Karten muss man hier allerdings warten.

burgtheater.at

16 Bronski & Grünberg

2016 eröffnet, damit Schauspieler:innen endlich machen können, was sie wollen (total auf die Tube drücken), ist das nach zwei Figuren aus der Komödie „Sein oder Nichtsein“ benannte Erdgeschoßtheater längst Kult. Seine Existenz steht trotzdem ständig auf dem Spiel. Im Oktober aber geht es endlich weiter mit einer garantiert superlustigen „Effi Briest“.

bronski-gruenberg.at

17 Brut Nordwest

Einst wurden hier Züge rangiert, jetzt sind es Tänzer:innen. Die Brutstätte für Performancekunst logiert vorübergehend auf dem Gelände des ehemaligen Nordwestbahnhofs. Eine kundige Szene, jung und offen für alles, kommt hier zusammen und feiert sich. Spielt das Wetter mit, lässt es sich nach der Show im Innenhof hübsch versacken.

brut-wien.at

18 Kosmos Theater

Hier regieren Frauen* – thematisch, aber vor allem praktisch: Stücke junger Autorinnen, die etwas zu sagen haben, inszeniert von jungen Regisseurinnen, die es können. Und fleißig ist das Team um die künstlerische Leiterin Veronika Steinböck obendrein: Es vergeht im Kosmos kaum ein Monat ohne neue Premiere.

kosmostheater.at

19 Volkstheater

Derzeit die schärfste Adresse für Theater in der Stadt. Hier geht Coolness über Politik, Probieren über Studieren, Skandal über Betulichkeit. Der Umbau 2020 brachte modernste Technik, Direktor Kay Voges ein energetisches Ensemble. Demnächst hat sein „Faust“ Premiere. Die Hauptrolle spielt ein Fotograf. Wo gibt’s denn so was?

volkstheater.at


Kunst

20 Albertina

Mit Blockbustern wie aktuell „Basquiat“ punktet die Albertina immer wieder beim breiten Publikum. Das Museum, das für Albrecht Dürers gezeichneten Feldhasen berühmt ist, präsentiert laufend mehrere Ausstellungen parallel, seit kurzem auch in seiner Filiale Albertina Modern.

albertina.at

21 Belvedere 21

Der ehemalige Weltausstellungspavillon im dritten Bezirk besticht mit seiner Architektur und Grünlage am Schweizergarten. Hinter der Glasfassade bietet das Haus etablierten zeitgenössischen Künstler:innen viel Raum, aber auch Gruppenausstellungen von Newcomern finden statt.

belvedere.at

22 Kunsthistorisches Museum

Vom altägyptischen Spitzmaus-Sarg über die Elfenbeinschnitzerei bis hin zu Wimmelbildern von Pieter Brueghel gibt das Kunsthistorische Museum unheimlich viel her. Einzeltickets sind teuer, aber mit der Jahreskarte um 49 Euro stehen auch die sechs anderen Häuser wie Theatermuseum und Weltmuseum offen.

khm.at

23 Mumok

Die Avantgarden der Moderne und die aktuelle Kunst werden nirgendwo in Wien so cool aufbereitet wie im Mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Zur hauseigenen Sammlung zählen Hauptwerke der Pop-Art. Der schwarze Block des Museumsquartiers verfügt auch über ein Kino, das mittwochs Programm zeigt.

mumok.at


Kino

24 Admiral Kino

Dass dieses charmante Grätzelkino in der Burggasse im siebten Hieb noch spielt, verdankt sich der ehemaligen Filmkritikerin Michaela Englert: Bei laufendem Betrieb hat sie das 1913 gegründete Admiral über Jahre behutsam revitalisiert. Gezeigt wird aktuelles Arthouse mit Schwerpunkt auf Filmen von Frauen.

admiralkino.at

25 Filmcasino

Das lässigste Programmkino der Stadt eröffnete 1989, stammt aber aus den 1950ern, der Ära der Nierentisch-Architektur, bunt-geschwungenen Leuchtreklamen und Spiegelwände. Die Filmauswahl ist anspruchsvoll bis trendig, das diese Woche startende Slash-Filmfestival ein Muss für Fans des Horrorfilms.

filmcasino.at

26 Gartenbau

Das Kino mit dem Wow-Effekt: Wiens größtes Einsaalkino, im Herbst 2021 nach Generalsanierung wiedereröffnet, bietet Premieren, viele Specials und Filme auf 70 mm. Ab 20. Oktober wird das Gartenbau zudem wieder Flaggschiff des großen Filmfestivals Viennale und trotz seiner 736 Sitzplätze rasch zu klein sein.

gartenbaukino.at


Literatur

27 Blumenmontag

Die junge Wiener Literaturszene ist extrem rege und ausgehfreudig. Der Blumenmontag, der seit 2018 immer am letzten Montag im Monat im stilvoll abgeranzten Café Stadtbahn draußen in Währing stattfindet, ist die derzeit wahrscheinlich coolste Lesereihe: selbstorganisiert, von wildem Charme und immer super besetzt.

lesereihen.org

28 Hauptbücherei

Drei Fliegen mit einer Klappe: In der direkt am Gürtel gelegenen Hauptbücherei kann man beinahe alles entlehnen; hoch oben auf der großen Außenstiege lässt sich ziemlich gut abhängen, mit Blick auf die (Auto-)Lichter der Stadt; und im Veranstaltungssaal gibt es immer wieder spannende Buchpräsentationen.

buechereien.wien.gv.at

29 Textstrom

Der dienstälteste Poetry-Slam Wiens – und immer noch rostfrei. Seit 2004 ermutigen Mieze Medusa und Markus Köhle andere dazu, sich mit ihren Texten auf eine Bühne zu stellen. Früher wurde im Gürtellokal Rhiz geslammt, nun findet Textstrom ein paar Häuser weiter stadtauswärts in der Brunnenpassage mit einem Fokus auf Mehrsprachigkeit statt.

textstrom.at


Flohmarkt

30 Naschmarktflohmarkt

Zwischen durchfeierter Nacht und Katerfrühstück lockt samstags Wiens größter Flohmarkt bei der U4-Station Kettenbrückengasse: Kunst, Klamotten und Krempel, Schätze zum Schnäppchenpreis und überteuerter Ramsch. Viel Spaß beim Stöbern!

flohmarkt.atF

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