Der Medienbankomat

Österreichs wichtigste Medienaufsichtsbehörde soll journalistische Qualität sichern und fördern. Tatsächlich agiert sie wenig transparent und sehr politiknahe. Warum sich das auch unter ihren neuen Chefs kaum ändern wird

Barbara Tóth
MEDIEN, FALTER 38/22 vom 20.09.2022

Illustration: Oliver Hofmann

Dieser Mann weiß, wie man kritische Fragen pariert. Wolfgang Struber, 48, vormals Chef des Privatradiosenders Arabella, ist seit September neuer Geschäftsführer einer Gesellschaft mit dem umständlichen Namen Rundfunk- und Telekomregulierungs-GmbH, kurz RTR. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich Österreichs wichtigstes und potentestes Instrument der Medienpolitik. Allein heuer wird die RTR unter Strubers Führung Fördergelder in der Höhe von etwa 95 Millionen Euro an Österreichs Medienbranche ausschütten. Zur Qualitätsförderung, als Hilfe zum Umstieg ins Digitale und für verschiedene Formate und Innovation. Bei diesen Entscheidungen wird Struber von Fachbeiräten unterstützt, aber am Ende hat er das letzte Wort. Er ist also sehr mächtig. Und gleichzeitig bemüht, seine Macht herunterzuspielen.

Am Dienstag vergangener Woche gab Struber im traditionsreichen Presseclub Concordia in der Wiener Innenstadt seine Antrittspressekonferenz. Gekommen waren vor allem Branchenjournalisten und Medienredakteure. Die RTR ist kein Pu­bli­kumsmagnet, zu komplex, verworren und kakanisch wie eine Behörde wirkt sie. Ob Struber daran etwas ändern möchte? Die Entscheidungen zugänglicher, verständlicher, transparenter machen? „Danke für diese Frage“, sagt Struber charmant und souverän, eine Antwort, wie aus dem Handbuch für Krisenkommunikation. Um dann ausführlich, aber nichtssagend zu antworten. „Transparenz ist natürlich wichtig. Wir wollen in der Zukunft unsere Entscheidungen bestmöglich argumentieren. Aber wie das genau ausschaut, kann ich heute noch nicht sagen.“

Nichts sagen wollte Struber auch zur Art und Weise, wie er von Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) bestellt wurde. Dass er es wird, galt als ausgemacht. Die Ausschreibung war auf ihn zugeschnitten. „Danke für diese Frage“, antwortet er wieder freundlich lächelnd. Das Prozedere und seine Mitbewerber kommentiere er nicht.

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