Muss das weg?

Für das neue Großkraftwerk Kaunertal soll ein Gebirgstal einem Stausee weichen, und Ötztaler Wildflüssen wird das Wasser abgezapft. Das umstrittene Projekt wirft eine Grundsatzfrage auf: Wie viel Naturzerstörung müssen wir im Namen der Energiewende hinnehmen?

Gerlinde Pölsler
NATUR, FALTER 38/22 vom 20.09.2022

120 Meter – so hoch soll der Staudamm im Platzertal werden (Foto: WWF/Sebastian Frölich)

Innsbrucker Congress, vergangenen Donnerstag. Die Elefantenrunde der Tiroler Tageszeitung. Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl werden zu Strompreisen und zur Energiewende in die Mangel genommen. „Gebi, ihr Grünen habt’s immer das gleiche Problem“, sagt Neos-Sprecher Dominik Oberhofer: „Ihr plakatiert ‚Klimakatastrophe‘, aber wenn es darum geht, Lösungen zu liefern, versagt ihr.“ Alle wollten raus aus Öl und Gas. Aber Wind und Sonne lieferten eben unregelmäßig Energie, und um sie zu speichern, brauche es ein Pumpspeicherkraftwerk wie das im Kaunertal. Dass das noch immer nicht stehe, sei „ein Skandal“.

Das lässt sich Gebi Mair, der Energielandesrat werden möchte, „sicher nicht umhängen“: Während der schwarz-grünen Koalition seien in Tirol immerhin 96 Wasserkraftwerke entstanden. Sogar Mitteleuropas größte Kraftwerksbaustelle befinde sich im Tiroler Kühtai. Aber ein Pumpspeicherkraftwerk könne man auch betreiben, „ohne dass man ganze Täler trockenlegt“.

Damit haben sie die Grundsatzdebatte schon gut umrissen.

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