THEATER Kritiken

Expats in Vienna, vereinigt euch!

Lexikon, FALTER 39/22 vom 28.09.2022

Mal was Neues am Petersplatz, ein Konversationsstück auf Englisch: Die lesbische Elsa (Suzanne Carey) ist schwanger von ihrem schwulen Freund Gery (Alan Burgon). Aus Atlanta ist ihr Bruder Burt (Joshua Murphy) zu Besuch, dem ihre Mitbewohnerin Sasha (Elena Hückel) Wien erklärt, während sie mit Gery heftige Grundsatzdiskussionen über Sexualität und Gesellschaft führt. Burt und Sasha möchten den allerletzten Life Ball (2019) besuchen. Sehr witzig: Beiden werden hierzu Hammer und Sichel auf die nackte Brust gemalt. Burt, der Ami, denkt, es handle sich um Penis und Vulva.

Gut, die Debatten bleiben eher an der Oberfläche, und dem Briten Murphy kauft man den Südstaaten-Akzent ebenso wenig ab wie der Österreicherin Hückel die enorme Eloquenz im Englischen.

Aber das ist alles geschenkt. Expats in Vienna, vereinigt euch bei "The Power of the Fucking Rainbow" von Lukas Johne! Humor und Menschen sind so liebenswert amerikanisch, wie man es sonst hier nie zu sehen und zu hören bekommt. Gleichzeitig spielt das Stück in und mit Wien, könnte wienerischer kaum sein. Tania Goldens Inszenierung unterhält, erwärmt das Herz und hat einen Soundtrack von beschwingter Poppigkeit, also "gay" im alten Wortsinn ("fröhlich"). Ein Abend für die andere, die offene Seite dieser Stadt. MP

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