„,Thomas Morgenstern‘, das ist doch nicht lustig“

Das Duo Christoph & Lollo geht noch einmal mit seinen "Schispringerliedern" auf Tour. Absprung ist am 11. November in Wien

GERHARD STÖGER
FALTER:WOCHE, FALTER 45/22 vom 09.11.2022

Christoph & Lollo in jungen Jahren, als sie ausschließlich Lieder über Skispringer sangen (Foto: Christian Schreibmüller)

Christoph & Lollo sind längst im Kabarett erfolgreich, mit Liedern über korrupte Politiker, Fake News, die Erderwärmung, Hipster und Babykacke. Die Wurzeln des Wiener Duos liegen jedoch in kleinen Subkulturlokalen. Dort sangen Christoph Drexler und Lollo Pichler, befreundet seit der Schulzeit, einst traurige Lieder über Skispringer mit lustigen Namen. Jetzt gehen sie damit wieder auf Tour.

Falter: Wann haben Sie zuletzt ein Skispringen verfolgt?

Christoph: Gelegentlich hat man sonntags nichts zu tun, dann schaltet man den Fernseher ein. Insbesondere im Winter sendet der ORF da ausschließlich Sport. Kommt am mittleren Nachmittag dann Skispringen, döst man bei Armin Koglers Kommentaren sofort angenehm weg.

Warum gehen Sie jetzt noch einmal mit Ihren alten Liedern auf Tour?

Lollo: Wir werden in Österreich oft danach gefragt, im Ausland wiederum kennt die Schispringerlieder kaum wer. Dort hält man es für einen Scherz, wenn wir erwähnen, dass wir früher nichts anderes gesungen haben. Entsprechend überrascht reagieren die Leute, wenn sie feststellen, dass wir damals drei CDs ausschließlich mit traurigen Liedern über Skispringer gefüllt haben.

Christoph: Der konkrete Auslöser war eine Ausstellung in der Schweizer Heimatgemeinde des berühmten Skispringers Walter Steiner, zu der wir als Musikprogramm eingeladen waren. Es hat uns dann großen Spaß gemacht, ausschließlich die alten Lieder zu spielen. Weil die Leute auch ungleich aufmerksamer waren als früher, wo lauter Pickelgesichter bei den Konzerten waren ...

Lollo: ... wir zum Beispiel ...

Christoph: ... die nur mitgrölen, aber nicht zuhören wollten.

Lollo: Wünsche nach einzelnen Schispringerliedern kommen bei Auftritten oft, jetzt wird dieser Wunsch eben einmalig konzentriert erfüllt. Danach verbrennen wir alle Zeugnisse. Je näher die Tour kommt, desto mehr freue ich mich darauf. Viele unserer sonstigen Lieder beschäftigen sich ja mit unangenehmen Themen, mit Gesellschaftspolitik und Kritik. Man muss sich konzentrieren und wird an alles erinnert, was schiach ist heutzutage. Zwei davon am Stück gespielt sind aber schon ein bisschen viel des Guten, da müssen wir dann immer nach einem lustigen suchen. Jetzt gibt es da keine Probleme, es kommt einfach ein Schispringerlied nach dem anderen, herrlich.

Christoph: Wobei früher gewisse Leute der Meinung waren, dass in den Schispringerliedern etwas verpackt sei. Wir selbst haben davon allerdings nichts gewusst.

Was qualifizierte einen Skispringer für eine Würdigung in Liedform?

Lollo: Ein lustiger Name war eigentlich das einzige Kriterium.

Christoph: Dann kam noch die Vorgabe dazu, dass es keine Österreicher sein dürfen. Der ÖSV ist schließlich mächtig und könnte das nicht wollen, dachten wir uns nur halb im Scherz.

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Lollo: Es mangelte aber ohnedies an lustigen Namen. Wir haben einen Deutschen im Programm, Ronny Hornschuh. Super! Aber Österreicher? "Thomas Morgenstern", das ist doch nicht lustig.

Stimmt es, dass Andi Goldberger einst bei einem Ihrer Konzert war?

Lollo: Den haben wir mehrmals gesehen, ja.

Christoph: Einmal auch im Backstagebereich des Frequency-Festivals. Der Metallica-Aufnäher auf seiner Lederjacke hat allerdings nahe gelegt, dass er nicht wegen uns gekommen ist.

Lollo: Toni Innauer sind wir auch mehrfach begegnet.

Christoph: Einmal im Innsbrucker Lokal Bierstindl. Wir haben dort während der Vier-Schanzen-Tournee gespielt, und weil an dem Tag weder Training noch Qualifikation war, hatten die Springer offenbar Ausgang. Jedenfalls war die norwegische Mannschaft da, begleitet von Innauer. Er hat dem norwegischen Trainer während des Konzerts ständig ins Ohr geflüstert, was wir da gerade singen.

Man kannte Ihre schrulligen Lieder also im nordischen Skizirkus?

Lollo: Ich glaube schon, dass die einander das als Skurrilität manchmal ins Ohr geflüstert haben. Im Shop sind zwar keine Bestellungen eingegangen, aber Kazuyoshi Funaki hat einem Ski-Wachsler angeblich einmal unsere CDs geklaut.

Ihre Karriere basiert auf einer b'soffenen G'schicht, an deren Ende der Skispringer František Jež in Ihrem Debütsong ein Lebkuchenherz geschenkt bekam. Was wäre denn der Plan B fürs Leben gewesen?

Lollo: Wie alle echten Rock-'n'-Roller haben wir natürlich keinen Plan B. Wir müssen tun, was wir tun! Außerdem haben wir ansonsten keinerlei Qualifikation. So schlecht, wie der Arbeitsmarkt derzeit beisammen ist, hätten wir vielleicht erstmals eine Chance.

Christoph: Servierkraft im Zillertal, das wär's doch!

Apropos: Die "Skispringerlieder-Tour 2022/23" umfasst rund 40 Termine. Wie läuft der Vorverkauf?

Lollo: Mittel, wie bei so vielen. Es kommen schon Leute, aber ausverkauft ist noch nichts.

Christoph: Ein richtig volles Haus war früher auch eher die Ausnahme, insofern passt das ja. Und abgesagt wird bei uns nur, wenn der Veranstalter das unbedingt will. Wir spielen auch für zehn Leute, wenn es sein muss. Was die generelle Stimmung in der Branche anbelangt, habe ich schon das Gefühl, dass das Jammern um uns herum massiver ist als unser eigenes.

Los geht es in Wien. Wie groß ist die Nervosität vor dem Absprung?

Christoph: Nicht so groß, wie sie wahrscheinlich sein sollte. Allerdings hatten wir das Programm früher auch nicht so gut einstudiert, oft habe ich die Texte vom Blatt abgelesen. Diesmal kann ich sie sicher auswendig, das ist ja schon einmal was.

Lollo: Viele der Lieder beherrschen wir noch verblüffend gut, die haben sich in unserer DNA festgekrallt. Ich denke, es wird ein harmloser Spaß für die ganze Familie.

Christoph: Halten wir uns wirklich an frühere Gepflogenheiten, müssen wir uns bei jedem Konzert richtig ansaufen. Davor habe ich am meisten Angst, denn heute kann ich in zwei Tagen nicht so viel trinken wie damals während eines Auftritts.

Lollo: Wir werden uns da langsam herantasten.


Stadtsaal, Fr 19.30

Weitere Termine: www.die-zentrale.at

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