Biss bald!

Der Biber breitet sich aus und gräbt Österreich um. Er bringt die Natur zurück ins Land – und hat ein paar Probleme mit im Gepäck

Benedikt Narodoslawsky
NATUR, FALTER 46/22 vom 15.11.2022

Der Biber kann so groß werden wie ein Schäferhund. Er ist das zweitgrößte Nagetier der Welt (Foto: Leopold Kanzler)

Die Abendsonne taucht Linz in zartes Rosa, Fabian Holzinger hat seine Hände in den Hosentaschen vergraben und blickt konzentriert ans andere Ufer der Donau. Über seinen Kopfhörer empfängt er seltsame Geräusche. Da ist ein Kratzen und ein Mautzen. Ein Wimmern, ein Plätschern, ein Schütteln. Holzinger lächelt. Dann wirft er einen Apfel in die Donau, und noch einen zweiten hinterher. Er hat sie für die Biber-Familie zum Frühstück mitgebracht. Sie ist gerade aufgewacht.

Holzinger ist von Beruf Musiker und in seiner Freizeit Biberliebhaber, er selbst nennt die Tiere scherzhaft seine „Obsession“. Die Töne kommen aus der Biberburg neben ihm. Er hat zuvor ein Mini-Mikrofon samt Kabel um einen Weidenast gewickelt und ihn durch das Luftloch der Biberbehausung geschoben. Rund 400 Stunden Bibergeräusche hat er schon aufgenommen, Mampfen, Nagen, Quengeln, alles mit dabei. Im Frühjahr zeichneten das Museum of Sound und der BBC Radiophonic Workshop die Biber-Aufnahmen von Holzinger (Künstlername: Abby Lee Tee) mit dem „Sound of the Year Award“ aus.

Zum ersten Mal nahm er die Tiere im Rahmen eines Programms für Soundkünstler auf, seither besucht er die Biberburg jede Woche. „Sie sind extrem lustige, nette, soziale Tiere“, sagt Holzinger. „Biberbabys klingen wie Menschenbabys.“ Dass es in der Wohnung der Nager laut ist, liegt nicht nur an den Tieren selbst. Das Flugzeug, das über die Biberburg zieht, die Wellen der Boote, die gegen das Ufer schnalzen, die Jogger und die Autobahn – all das hören die Biber in ihrer Burg, gemacht aus Schlamm, Laub und Geäst. Wird es draußen zu laut, werden die Biber drinnen still.

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  1656 Wörter       8 Minuten

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