Die Kinder, die um ihr Recht auf Schule kämpfen

Jugendliche mit intellektueller Behinderung fliegen viel zu früh aus der Schule. Zwei Familien haben sich nun zusammengetan, um das zu ändern – und haben für ihren Kampf für ein inklusives Schulsystem viel Unterstützung gefunden

Nina Horaczek
STADTLEBEN, FALTER 47/22 vom 22.11.2022

Anton, 13, hier mit Schwester Sophia und Mutter Karin Riebenbauer (l.). Julian, 16, hier mit seinen Eltern Claudia und Bernd Mühlbacher und Schwester Lena (r.) (Fotos: Heribert Corn)

Hallo, ich bin der Anton. Willst du etwas trinken?“, fragt der Bub, der den Kopf durch den Türspalt steckt. Anton ist 13 Jahre alt. Er liebt Radfahren und Schwimmen, kreiert gerne Techno-Beats und ist ein kreativer Kerl. Aber wieso 2 + 2 die Zahl 4 ergibt, das versteht er noch nicht. Anton hat eine sogenannte Entwicklungsverzögerung. Weil er nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet wird, darf er nur noch zwei Jahre in die Schule gehen. „Dabei fängt er erst jetzt langsam an, Zahlen und Buchstaben zu verstehen“, sagt Karin Riebenbauer, Antons Mutter.

In Österreich dürfen Jugendliche mit kognitiver Beeinträchtigung nur zehn Jahre im Bildungssystem bleiben. Sie können zwar ein elftes und zwölftes Schuljahr bei der Bildungsdirektion beantragen. Aber speziell Wien verweigert diesen Jugendlichen mehr Bildung. Dabei brauchen gerade Kinder mit Behinderung oft mehr Zeit, um Dinge verstehen zu können. Jugendliche ohne Behinderung dürfen hingegen in die Schule gehen, bis sie 21 Jahre alt sind.

Nun haben betroffene Eltern die Initiative „Ich will Schule“ gestartet. „Wir wollten den Namen so einfach halten, dass auch die Kinder, die es betrifft, ihn verstehen“, sagt Riebenbauer. „Bildung ist ein Menschenrecht, und dieses Recht darf der Staat auch Jugendlichen mit Behinderung nicht verwehren“, sagt Bernd Mühlbacher, einer der Mitinitiatoren. Schließlich schreibe die UN-Behindertenrechtskonvention vor, dass Menschen mit Behinderung im Bildungssystem nicht diskriminiert werden dürfen.

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