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Dreieinhalb Stunden gute alte Zeit: "Wetten, dass..?" Darf alles, außer modern werden

LUKAS MATZINGER
Medien, FALTER 47/22 vom 23.11.2022

Holger Siebnich aus Bühl-Balzhofen wettet, dass er alle "Spiele des Jahres" seit 1979 am Ausschüttgeräusch erraten kann. Und Robbie Williams aus Burslem schaut von der Couch apathisch auf die deutsche Vorstellung von Unterhaltung.

Samstagabend, es regnet, für "Wetten, dass..?" darf jeder aufbleiben. Ich habe nie mehr von TV gewollt als Spiel, Stars und Überraschung. Seit 2021 macht Thomas Gottschalk die Show wieder, einmal im Jahr, zuletzt aus der Messe Friedrichshafen.

Dem 72-Jährigen fällt die Rolle des peinlichen Papas beim Familienfest zu: "Das ist deine Leidenschaft, du hoffst, weiter zu singen?", fragt er Tate McRae, deren Popsongs circa fünf Milliarden Streams zählen. Ohne Sidekick Michelle Hunziker würde die Sendung noch bei Falter-Andruck laufen: "Vielleicht besser, wenn wir zur Wette kommen."

Technisch ist das alles dürftig, Kameras fahren ins Leere, falsche Mikros sind offen. 2022 dringt nur in Spurenelementen durch: Zwei Tiktokerinnen berichten vom Backstagebereich, am Ende gibt's sogar PR für die Klimabewegung: Ein, wie sich herausstellt, Besetzer der Braunkohlebaustelle Lützerath konnte als Wette sehr gut Fingerabdrücke erkennen und will seine 50.000 Euro Gewinn in Aktivismus investieren.

Eigentlich hatten wir ja für dreieinhalb Stunden wohlige Nostalgie eingeschaltet. Alleine im ZDF waren es 10,09 Millionen Menschen.

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