NACHSPIEL

Die Kulturkritik der Woche

Die Vergabe des österreichischen Buchpreises ist so überraschend wie unwürdig ausgefallen

Klaus Nüchtern
Feuilleton, FALTER 47/22 vom 23.11.2022

Parallel zum WM-Fußballspiel USA gegen Wales (1: 1) fand vergangenen Montag die Vergabe des Österreichischen Buchpreises statt und dauerte ebenfalls 90 Minuten. Ein Unentschieden ist beim Literaturturnier freilich ausgeschlossen, und so gingen nach dem Match im Kasino des Burgtheaters Lena-Marie Biertimpel mit dem Debüt - und Verena Roßbacher mit dem Hauptpreis vom Platz.

Biertimpel ist Deutsche, ihr Roman "Luftpolster" kam beim österreichischen Leykam Verlag heraus. Bei Roßbacher verhält es sich genau umgekehrt: Die Bücher der in Berlin lebenden Bludenzerin - die Herkunft ist ihr nicht anzuhören - erscheinen bei Kiepenheuer & Witsch. Von der Entscheidung der Jury war Roßbacher so überrascht wie die meisten, darunter auch die Literatur-Redaktion des Falter, die mit Robert Menasse und Anna Kim auf das überzeugend aufspielende Team Suhrkamp gesetzt hätte. Dass die Jury anders entschieden hat, ist zu akzeptieren. Inakzeptabel aber geriet die Veranstaltung selbst.

Wie stets waren Dorothee Hartinger und Philipp Hauß aus der Mannschaft des Burgtheaters für die Moderation abgestellt worden. Darüber, dass sie Dressen aus Papier trugen, mochten sich die beiden gar nicht mehr einkriegen: Eine geschlagene halbe Stunde verdaddelten sie mit belanglosen Fragen zum Thema Papier, ehe nach dem Frühstücks-TV-Geplauder mit Angehörigen aus Politik und Branche die nominierten Autorinnen

und Autoren erstmals genannt und mit Kürzestlesungen vorgestellt wurden. Dass Menasse von der Security wegen angeblichen Rauchens auf dem Klo wie ein Schulbub zur Rede gestellt wurde, war der stimmig unwürdige Schlusspunkt eines ebensolchen Abends.

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