Tot oder lebendig

Aktivisten beschütteten ein durch Glas geschützes Gemälde von Klimt. Sie stehen damit auch in einer unseligen Tradition

MATTHIAS DUSINI
Feuilleton, FALTER 47/22 vom 23.11.2022

Die Messerattacke auf die „Venus“ von Diego Velázquez von 1914 in einer zeitgenössischen Darstellung (Illustration: Achille Beltram/Gemeinfrei)

Die zierliche Frau in grauem Kostüm blieb an jenem Märztag des Jahres 1914 scheinbar bewundernd vor dem Gemälde von Diego Velázquez stehen. Plötzlich zerschlug sie das Schutzglas und hackte mit einem Messer auf "Venus mit dem Spiegel" (1647-1651) ein. Die Attentäterin, Mary Richardson, ließ sich in der Londoner National Gallery ohne Widerstand abführen.

Seit Monaten machen Umweltaktivisten durch Angriffe auf Bilder auf sich aufmerksam. Nach Aktionen in London (van Gogh), Berlin (Monet) und Den Haag (Vermeer) war nun auch Wien an der Reihe. Ein Mitglied der Gruppe Letzte Generation (siehe auch Interview auf Seite 28) schüttete im Leopold Museum schwarze Farbe über ein Gemälde von Gustav Klimt. Die Täter achten darauf, dass die Ikonen nicht zerstört werden, indem sie ausschließlich durch Gläser geschützte Beispiele auswählen. Auch in Wien wurde wenig beschädigt.

Die Schüttungen reihen sich in eine weit zurückreichende Tradition von Bilderstürmerei ein. Religiös motivierter

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