STADTRAND

Urbanismus-Kolumne

Wenn Wiener Wände die Welt zeigen: täglich neue Graffiti zu Iran & Ukraine

Daniela Krenn
Stadtleben, FALTER 47/22 vom 23.11.2022

Freedom", "Unity" und "Hope": Die drei Wörter Freiheit, Einheit, Hoffnung zieren seit wenigen Tagen eine Wiener Hauswand. Der ukrainische Street-ArtKünstler Nikita Kravtsov und der französische Comiczeichner Vincent Paronnaud haben sie auf der Höhe der Pfeilgasse in der Josefstadt gesprayt, samt riesigem Wandbild.

Über dem "Wiener Würstelstand" schaut jetzt ein Frauengesicht mit strahlenden Tränen auf die Essenden - eine Replik auf die Frau aus dem Klimt-Gemälde. Gerade in einer Stadt wie Wien, in der russische Ölkonzerne und Oligarchen so präsent seien, solle die Ukraine mehr vorkommen, finden die Künstler. Das tut sie nun. Zwischen Urania und Spittelau wurde der Donaukanal zum Herzen der Wiener Street-Art. Wer in den vergangenen Wochen entlangspazierte, konnte viel über die ukrainische Seele lernen.

Die Künstlerin Artminina aus Odessa lässt zarte Pflanzen die Wände entlangwachsen, gezogen von einem Papierflieger in Gelb-Blau. Ein paar Meter weiter springt eine Frau mit abgeschnittenen Haaren in die Luft. Die Künstlerin Ahoo Maher macht mit diesem Bild auf die Proteste gegen das iranische Regime aufmerksam.

Street-Art ist per Definition Teil des Stadtbildes, oft ist sie hochpolitisch. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis tagesaktuelle Kommentare zum Weltgeschehen an Wiener Wänden auftauchen würden. Irgendwie ja auch schön, dass man auf altbekannten Wegen beinahe täglich Neues erlebt.

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