Kaffee bei Schalter 22

Einer der schönsten Räume der Welt hat jetzt auch ein sehr gutes Café

Florian Holzer
29.11.2022

Foto: Heribert Corn

Es ist so arg. Dieses Licht, diese räumliche Dimension, diese Details. Über die Kassenhalle von Otto Wagners Postsparkasse haben schon Gescheitere geschwärmt, Tatsache bleibt: Dieser Raum ist ein Meisterwerk. „Ich bin einer der wenigen, die einen Schlüssel zur Kassenhalle haben“, sagt Alexander Afrough, „und das ist schon cool“.

Seit Anfang des Jahres, seit das 1904−1906 errichtete Gebäude dank Besiedelung durch Angewandte, MAK, Kepler-Universität und andere langsam wieder zum Leben erwachte, kommt Alexander Afrough quasi täglich her. Und ist nach wie vor erschüttert von der Schönheit des Ensembles.


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Afrough macht hier den Kaffee. Also das ist ein bisschen untertrieben, konkret ist es seine Aufgabe, die zukünftig fächerübergreifend mit Buchgeschäft, Ausstellungsräumen und Lesenischen ausgestattete Kassenhalle alias AIL (Angewandte Interdisciplinary Lab) gastronomisch zu bereichern. Afrough, der zum Studieren nach Wien kam, im Motto am Fluss das Barkeepern erlernte, dann ins Gourmetrestaurant Mercado ging und dort nach ein paar Tagen Souschef war, kann nämlich sehr gut Kaffee machen: Nach seiner Kochkarriere wechselte er ins Barista-Business, gewann auch hier seine Preise. Übernahm vor viereinhalb Jahren dann das Buffet im Wien Museum und legte dort den Beweis vor, dass auch in einem Museum exzellenter Kaffee möglich ist. Außerdem machte er – fast noch eindrucksvoller – hier die besten Sandwiches der Stadt und wahrscheinlich Österreichs besten Caesar Salad.

Das war ursprünglich auch bei den Schaltern 19–24 in der Kassenhalle der Postsparkasse sein Plan, nachdem er hier aber nur eine Aufwärmküche betreiben darf, disponierte er um. Beschäftigte sich mit Fermentiertem und mit asiatischen Küchen, entwickelte ein pescetarisches Imbisskonzept, „hier im Haus gibt es so viele revolutionäre Ideen, das passt gut hierher, glaub ich“.

Was es hier täglich gibt, ist koreanisches Gimbap, eine Art Maki-Rolle etwa mit Rettich-Spinat und Omelette-Füllung (€ 7,80). „Gimbap ist cool, da gibt es quasi keine kreativen Grenzen“, sagt Afrough. Ebenfalls immer gibt es ein veganes Curry, vorige Woche war das ein scharfes Erdnusscurry mit geröstetem Gemüse, Kräutern und Gurken-Relish, sehr gut (€ 9,–). Am eindrucksvollsten schmeckte aber der Rohkostsalat aus Gurken, Chili, Zwiebeln, Karotte, Kräutern und Mango mit Soja-Vinaigrette, Spiegelei und gebratenen Welsstreifen – ein Salat, der ein echtes Essen ist (€ 9,–).

Man könnte hier auch nur Käsesemmel essen und Wasser trinken und wäre vom Raum trotzdem ergriffen. Aber fein, dass die Snacks hier richtig gut sind.

Resümee:

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Otto Wagners funktionale Ästhetik trifft auf Alexander Afroughs akribische Köstlichkeit. Raum trifft Geschmack.

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