Dicke Freunde

Immer mehr Jugendliche leiden unter Übergewicht. Zugleich bewerben ihre Idole Süßigkeiten und Limonaden. Verbraucherschützer und Mediziner fordern nun strenge Regeln im Kindermarketing

Benedikt Narodoslawsky
MEDIEN, FALTER 49/22 vom 06.12.2022

Social-Media-Star Sarina wirbt auf Instagram für zuckerhaltige Frühstückscerealien. Dass es sich um eine Anzeige handelt, ist kaum ersichtlich (Foto: Screenshot Instagram/Sarina_vs)

Vor einem Hintergrund voller Rosen verzieht Viktoria ihr Gesicht. Sie schiebt sich einen Löffel weißer Bohnen in den Mund. „Gar nicht lecker!“, sagt sie. Ihre beste Freundin Sarina verkostet hingegen süßes Gummizeug. „Das ist voll lecker!“, sagt Sarina. Gleich werden sie sauren Gummi mit Essiggurken vergleichen.

Ihr Video „Irre Gummy vs. Real Food Challenge“ wird 356.000-mal angesehen. Viktoria und Sarina gehören zu den Personen, von denen Menschen über 30 kaum je etwas gehört haben, die unter vielen Mädchen aber Kultstatus genießen. Die zwei Mittzwanzigerinnen aus der Steiermark verhalten sich vor der Kamera so, als hätten sie die Pubertät nie hinter sich gelassen. Sie spielen mit Spielzeugpferden, verkleiden sich als Adelige, basteln, tanzen, gehen shoppen. In ihren Beiträgen und Videos vermitteln sie ihrem Publikum eine in Rosa getauchte heile Welt, in der das größte Problem ist, wie man sich heute die Haare färben soll.

Das Konzept ist erfolgreich. Viktoria und Sarina haben sich zu Social-Media-Stars gemausert, auf Instagram, Youtube und Tiktok erreichen sie mehr als vier Millionen Menschen. Diese sind viel mehr als Fans. Sie sind Konsumentinnen. Unter dem Titel „Spring in eine Pfütze“ haben die beiden Influencerinnen eine eigene Markenwelt erschaffen, es gibt Viktoria-und-Sarina-Pyjamas, -Bettwäsche, -Bücher, -Schreibwaren. „Das umfangreiche Spektrum an Produktideen von ‚Spring in eine Pfütze‘ bietet Marken attraktive Möglichkeiten, durch Lizenzprodukte, Co-Branding oder Sponsoring in der Markenwelt integriert zu werden. So können unsere Markenpartner neue Zielgruppen erschließen“, erklärt ihre Agentur Studio 71. Die lachenden Gesichter der jungen Frauen kleben auf einem Spiel von Ravensburger, auf einem Hörspiel von Bibi & Tina, auf einer Torte von Coppenrath & Wiese. Doch über die rosa Märchenwelt ist ein dunkler Schatten gefallen. Denn die Steirerinnen sind ins Visier von Verbraucherschützern geraten. „Schaut man sich auf den Social-Media-Kanälen von Viki und Sarina um, bekommt man den Eindruck, sie würden sich ausschließlich von Süßigkeiten und Fast Food ernähren. Dabei wechselt sich bezahlte Werbung mit der freiwilligen (oder lediglich nicht als Werbung gekennzeichneten?) Darstellung von Produkten ab“, schreibt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in ihrem Bericht „Junkfluencer – Wie McDonald’s, Coca-Cola & Co in sozialen Medien Kinder mit Junkfood ködern“.

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  2197 Wörter       11 Minuten

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