Favoriten gegen Grinzing

Die verstorbenen Schauspieler Karl Merkatz und Christiane Hörbiger verkörperten Archetypen wienerischer Identität: den proletarischen Vorstadt-Mundl und die höhere Döblinger Tochter

Matthias Dusini
STADTLEBEN, FALTER 49/22 vom 06.12.2022

Karl Merkatz (17. 11. 1930 – 4. 12. 2022), Christiane Hörbiger (13. 10. 1938 – 30. 11. 2022) (Fotos: First Look/picturedesk.com, Getty Images/Peter Bischoff)

Das Kennzeichen des von Karl Merkatz verkörperten Elektrikers Edmund „Mundl“ Sackbauer war ein Feinripp-Ruderleiberl. Das für Christiane Hörbiger typische Accessoire bildeten Perlenohrstecker. Da der jähzornige Familientyrann aus dem Arbeiterbezirk, dort die Über-Ich-hörige Dame. Zwei virtuose Schauspieler verfeinerten in ihrer jahrzehntelangen Karriere Archetypen österreichischer Identität.

Zumindest biografisch bestätigten die beiden das Klischee einer Klassengesellschaft. Merkatz, Jahrgang 1930, kam aus einer Arbeiterfamilie in Wiener Neustadt und machte eine Ausbildung zum Tischler. 1951 ging er in die Schweiz, um in Zürich als Kellner zu arbeiten. Hier bewarb er sich an einer Schauspielschule, an der er tatsächlich aufgenommen wurde. Die Ausbildung setzte er später in Salzburg fort.

Hörbiger, acht Jahre jünger, wuchs in der Grinzinger Himmelstraße auf. Die Eltern, Stars des Theaters und Films der Zwischenkriegszeit, residierten in einer Villa. Beinahe wäre Hörbiger ebenfalls im Service gelandet, denn sie musste eine Ausbildung zur Konditorin absolvieren. Die berühmte Mutter, Paula Wessely, wollte verhindern, dass ihre Töchter Elisabeth, Christiane und Maresa Schauspielerinnen wurden – was ihr nicht gelang. Die drei sollten später den Kern der Bühnendynastie Hörbiger bilden.

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  1383 Wörter       7 Minuten

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