"Canceln ist nicht das Gegenteil von Streit"

Gibt es die gefürchtete Cancel Culture? Nein, sagt Adrian Daub, US-Germanist und Buchautor. Ein Faktencheck

LINA PAULITSCH
Feuilleton, FALTER 49/22 vom 07.12.2022

Illustration: Oliver Hofmann

Politiker, die eine flapsige Bemerkung den Job kostet; Musiker, die wegen politisch inkorrekter Texte nicht mehr auftreten dürfen; zurückgezogene, weil potenziell rassistische Kinderbücher. Die sogenannte Cancel Culture war in diesem Jahr in aller Munde. Adrian Daub, 42, Professor für deutsche Literatur an der Stanford University in Kalifornien, hat ein Buch zum Thema geschrieben. In "Cancel Culture Transfer" vertritt er die These, dass es Einzelfälle, nicht aber eine Kultur des Cancelns gebe. Ein Gespräch über mediale Hysterie, die identitätspolitische Linke und neue Leselisten.

Falter: Herr Daub, Sie haben zur Geschichte der Cancel Culture geforscht. Wer waren denn die ersten Personen, die gecancelt wurden?

Adrian Daub: Interessanterweise weder Wissenschaftler noch der berühmte alte weiße Mann, sondern Idole von 17-Jährigen. Später war es US-Rapper Kanye West, der sich als Cancel-Opfer beschrieb. Er verstörte seine Fans, unter anderem weil er offen Donald

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  1309 Wörter       7 Minuten

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