Wer in Auschwitz tanzen darf

Barbara Staudinger will das Jüdische Museum politischer und provokanter machen. Aber ist Wien dafür bereit?

Anna Goldenberg
STADTLEBEN, FALTER 04/23 vom 24.01.2023

Barbara Staudinger, seit Juli Direktorin des Jüdischen Museums Wien, in der Dauerausstellung im Palais Eskeles (Foto: Heribert Corn)

Es ist gerade viel los bei Barbara Staudinger. Nicht überraschend, schließlich hat die Historikerin seit einem halben Jahr einen neuen Job. So etwas ist immer viel Arbeit. Noch dazu in einer Führungsposition, noch dazu in einem Museum. Die Menschen, die Abläufe, das Umfeld muss man alles einmal kennenlernen. Was bleibt, was wird neu? Wie macht man sich einen Namen, markant, aber nicht selbstherrlich, provokant, aber nicht ­verstörend, kompetent, aber nicht konservativ?

Barbara Staudinger ist seit 1. Juli 2022 Direktorin des Jüdischen Museums Wien, eines Unternehmens der Stadt Wien mit zwei Standorten in der Wiener Innenstadt, der eine in der Dorotheergasse, der andere am Judenplatz. Es gibt eine auf beide Standorte aufgeteilte Dauerausstellung über die jüdische Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart sowie Räume für insgesamt drei unterschiedliche Wechselausstellungen. 49 Mitarbeiter, 111.000 Besucher im Vorjahr, 4,4 von fünf Sternen auf Google Review („Das Museum ist eine Zeitmaschine“). Im Museumsshop neben dem koscheren Café ist gerade „Cosmic Sale“, am 31. Jänner schließt „Gottfried & Söhne“, das sich auf israelisches Design spezialisiert hat. Die Pandemie, die Teuerung. Wer nachfolgt, ist noch offen.

Einen Namen, den hat sich Barbara Staudinger im letzten halben Jahr aber schon gemacht. Unentschieden ist noch, ob es ein guter Name ist. Denn Staudingers erste Ausstellung, die im November im Palais Eskeles in der Dorotheergasse eröffnet wurde, wo das Museum seit 1994 residiert, regt auf. „100 Missverständnisse über und unter Juden“ ist der Titel, sie soll Stereotype über Juden zeigen, hinterfragen, entkräften, teils mit Humor, teils mit Schockmoment, teils mit Zeigefinger. „Es geht um die Bilder im Kopf“, sagt Staudinger.

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