Wetter, dass …?

Peter Iwaniewicz wird auf Wetter-Aphoristiker umsatteln

Natur, FALTER 21/2023 vom 24.05.2023

Zeichnung: Georg Feierfeil

Das Schöne am Wetter ist, dass jeder eine kontroversielle Meinung dazu hat. Fatal sind journalistische Texte, die zwar gelesen, aber nur mit einem "Hmm" kommentiert werden. Bei Kommentaren zum Wetter ist das nie der Fall, wie vor kurzem Barbara Tóth im Falter.morgen ausführte. Eva Biringer, eine Kollegin aus Deutschland, kritisierte in der Berliner Zeitung wiederum die Wiener Wetter-Kritisierer und fand lyrische Beschreibungen für die 50 Shades of Gray des Wiener Winterhimmels.

Die feucht-fröhlichen Fakten: Wien und Berlin sind sich sowohl mit ihren grantigen bzw. schnoddrigen Bewohnern ähnlich als auch beim Wetter. Beide Städte liegen in einer Übergangszone zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima. Beide haben gleich viel Sonnenscheintage pro Jahr (4,8 Stunden am Tag), nur beim Regen liegt Berlin mit 13,8 Tagen pro Monat im Jahresdurchschnitt knapp vor Wien (12,6 Tage).

Es gibt dazu auch den nervigen Spruch, mit dem Ski- und Bergführer urbane Stubenhocker in Regen und Kälte treiben: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Ich sitze, während ich das schreibe, in der Emilia-Romagna, jener Gegend in Italien, über der sich das Adria-Tief austobt und die Gegend massiv überflutet. Dagegen hilft weder Friesennerz noch Südwester.

Wie können sich also zarte, nicht regenfeste Gemüter gegen wetterbedingte Depressionen schützen? Mein Trick für Naturführungen, denen oft regenbedingte Absagen drohen: Nicht nur auf Schönwettertiere fokussieren, sondern die Chance nutzen, jene tierischen Freunde zu sehen, die 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bevorzugen. Um es als Sinnspruch zu formulieren: Glück ist, wenn man auf Ausflügen bei Schönwetter Insekten bewundern kann und bei Regen viele verschiedene Schneckenarten findet. Gerade letztere Tiergruppe ruft bei Hausgärtnern meist nur Tobsuchtsanfälle hervor.

Aber wenig bekannt ist, dass es in Österreich über 450 Schneckenarten gibt. 76 dieser Arten kommen exklusiv nur in Österreich vor und sind in den verschiedenen Ökosystemen von großer Bedeutung.

Wem das zu biologisch und langweilig vorkommt, dem empfehle ich einen Besuch bei den "World Snail Racing Championships", die jedes Jahr in Congham im Osten Englands stattfinden. Snails nennt man dort Gehäuseschnecken im Unterschied zu "slugs", den Nacktschnecken. Das Rennen geht über die Distanz von 13 Inch (33,02 cm) und die Bestzeit liegt bei zwei Minuten.

Die Wetternachricht: In England regnete es letztes Jahr an 159 Tagen.

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