Der Russland-Express

Ein kleines aggressives Online-Medium flutet mit Steuergeld und Gerüchten die öffentliche Arena mit Putin-Propaganda – und wird dennoch von ÖVP-Ministern hofiert und finanziert. Eine Dokumentation

Andrea Gutschi (Kobuk), Barbara Tóth, Florian Klenk
MEDIEN, FALTER 25/23 vom 20.06.2023

exxpress-Chefredakteur Richard Schmitt, von Falter-Illustrator PM Hoffmann gezeichnet als Propaganda-Fahrdienstleiter (Illustration: PM Hoffmann)

Schwarze Schrift auf lachsfarbenem Hintergrund: Das Design der Website erinnert an die besten Blätter der Welt. Wie die Financial Times will der exxpress offenbar auf seine Leserschaft wirken. Aber was auf der Plattform geschrieben steht, das hat mit dem Qualitätsanspruch der Weltblätter nichts zu tun. „Der Westen befindet sich momentan in einem regelrechten Anti-Russland-Wahn“, behauptete der exxpress etwa in einem Beitrag vom 22. Oktober 2022 im Ressort Politik. „Wäre es für die EU nicht sinnvoller, statt nach Selenskijs Geige zu tanzen und die Ukraine mit Waffen vollzupumpen, sowie Mörder ausbilden zu lassen, sich wieder an Begriffe wie ,Frieden‘, ,friedliches Miteinander‘, ,gegenseitige Sicherheit‘ oder einfach ,Verhandlungstisch‘ zu erinnern?“

Man muss zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass diese Zeilen nicht exxpress-Chefredakteur Richard Schmitt geschrieben hat, dessen Name links neben dem Pamphlet in der Autorenzeile steht. Sondern der Botschafter der Russischen Föderation in Wien, Dmitri Ljubinski, ein Propagandist des Kriegstreibers Wladimir Putin, dessen Regime die Ukraine auslöschen will.

Ein österreichisches Medium druckt die Propaganda des russischen Regimes? Natürlich sei das „heikel“, gibt Schmitt in einer kurzen Einleitung zu bedenken, aber „nach zwei Tagen der Überlegung und Diskussion entschied sich der exxpress dennoch dazu, diesen Gastbeitrag im Sinne unserer Unabhängigkeit und der in unserem Medienhaus stets gelebten Redefreiheit zu bringen“.

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